31.1.2020 - 02.02.2020

Ueli Sager - Sprache, Blech, Papier

Mit seinen Collagen und Décollagen aus Zeitungen verarbeitet der Künstler das Tagesgeschehen und verschafft Titeln und Aussagen eine Dringlichkeit, die die Kurzlebigkeit des Tagesjournalismus als neue Sinnbilder überdauert. Der Kunsthistoriker Stephan Kunz sagt im Künstlerbuch Tagesabrisse über das Schaffen Ueli Sagers: «..Dass aus der fatalen Konfrontation von Politik, Werbung und Kunst zuweilen auch poetische Bilder blühen, macht die Kunst dieses Wort- und Bildakrobaten aus, der im Umgang mit dem Material den Blick auf die Realität schärft und das sehende Denken und denkende Sehen lebendig hält...».

Öffnungszeiten
Freitag, 31. Januar 2020 18 - 20 Uhr Vernissage
Samstag, 1. Februar 2020 16 - 17 Uhr Kartenpostversand 17 Uhr Lesung «BlechReden» mit Ueli Sager und Heini Gut
Sonntag, 2. Februar 2020 15 - 17 Uhr Kartenpostversand 17 Uhr Filmabend mit Filmen von Ueli Sager

Ueli Sager schneidet, klebt Papier, vorzugsweise Zeitungspapier, zu neuen Inhalten. Das Wort und dessen Bedeutung klopft er weich: er löst es aus seinem Zusammenhang, schichtet es um, verschachtelt es neu, vertauscht die Buchstaben, anagrammiert es vor- und rückwärts, schneidet es in Holz, druckt es auf Kartonteller, schafft Bilder, verschickt Postkarten. Ueli Sager wählt für seine transformatorische Kunst oft ein Gegenüber: den Künstlerkollegen, mit dem er in ständigem Austausch ist, die Kollegin, der er Schachtelpost zuschickt, den Freund, dem er den Text oder die Karte neu zusammenschnipselt und ihm damit ein Schnippchen schlägt, die Leserin, die sich in seinen Buchstaben verliert, das Kind, das in seinen Entfaltungen ein Schiff sieht, die Kuratorin, die seine Bleche ordnen soll.

Mit seinen Collagen und Décollagen aus Zeitungen verarbeitet der Künstler das Tagesgeschehen und verschafft Titeln und Aussagen eine Dringlichkeit, die die Kurzlebigkeit des Tagesjournalismus als neue Sinnbilder überdauert. Der Kunsthistoriker Stephan Kunz sagt im Künstlerbuch Tagesabrisse über das Schaffen Ueli Sagers: «..Dass aus der fatalen Konfrontation von Politik, Werbung und Kunst zuweilen auch poetische Bilder blühen, macht die Kunst dieses Wort- und Bildakrobaten aus, der im Umgang mit dem Material den Blick auf die Realität schärft und das sehende Denken und denkende Sehen lebendig hält...». Das fulminante Schaffen Ueli Sagers passt perfekt ins Eck, den Ort wo das Publikum Kunstschaffende näher kennen lernen und diesen auch mal über die Schulter oder ins Herz schauen können. Während drei Tagen haben wir Gelegenheit, uns in usagers Werk zu vertiefen. Wir sehen fertige Arbeiten, schauen dem Künstler beim Schnipseln zu, lassen uns ein Blech signieren oder einen «Kartenpost» nach Hause schicken. Am Samstag tragen die beiden Anagrammisten Ueli Sager und Heini Gut ihre Blechreden vor (www.anagramm-agentur.ch). Am Sonntag Abend lädt Ueli Sager zu einem Einblick in sein Filmschaffen: Der Kurzfilm «Sonnenschein ins tägliche Leben» aus dem Jahr 1975 portraitiert die Aarauer Poetin Mary Stirnemann-Zysset. «Franz Acklin, ein Dorf-Portrait» zeigt einen Tüftler aus Möhlin, mit dicken Brillengläsern und knorrigen Fingern, der an seiner Drehbank Uhrenrädchen zuschliff auf Zehntelsmillimeter genau und ein grosser Gedichtrezitator war mit Talent für Improvisationen.

Kurzbiografie Ueli Sager
Geboren 1947 in Menziken AG, aufgewachsen in Beinwil am See, Allgemeinarzt in Möhlin bis Mitte 2015, Mitglied visarte Aargau seit 1996. Über Jahre bildnerisch gestaltende Arbeit mit Sprache in Wortbildern, vor allem aus Zeitungsmaterial, konkreter Poesie, Bildmontagen, skulpturalen Objekten, Fotografie, auch mit SEHT-EXTEN und SEHT-AFELN, Übermalungen, Verklebungen. Daneben S-8 und 16 mm- Filme in den siebziger Jahren, Filme für das Bild- und Tonarchiv der Gemeinde Möhlin bis 2016. Div. Publikationen, Einzel- und Gruppenausstellungen seit 1981, u.a. Aargauer Kunsthaus Aarau, Kunsthaus Zofingen, Kunstmuseum Olten.