1.10.2019 - 31.10.2019

Elena Tamburini. And there is nothing to talk. Not even the weather.

Der Projektraum Eck in Aarau wird zum Atelier. Elena Tamburini (*1992) wagt es, ihren intimen Arbeitsprozess als Malerin in die Öffentlichkeit zu verlegen.

Elena Tamburini wird während einem Monat immer wieder im ECK „skizzieren“: erste Schichten werden als schnelle und lasierende Acrylmalerei auf die Leinwände aufgetragen und dienen, basierend auf Vorlagen von Bildern aus dem Internet, der Bildfindung. Die Skizzen sind Vorstufen für Oelmalereien, die später im Atelier fertiggestellt werden. Ob sich die Malerin ganz den neugierigen Blicken an der exponierten Lage im ECK aussetzen mag oder ob sie das grosse Schaufenster verdeckt, wird sich zeigen. Einmal pro Woche aber wird sie das ECK öffnen und sich über die Schulter schauen lassen.

Öffnungszeiten im ECK : immer sonntags vom 14 bis 16 Uhr

Am 31. Oktober um 19 Uhr werden die Kunsthistorikerin Susanne Neubauer und die Künstlerin die Erfahrung reflektieren und diese im Kontext ihres bisherigen Schaffens beleuchten.

«In meiner Arbeit entwickle ich Charaktere, die ihre eigene Geschichte erzählen. Insbesondere das Spiel zwischen Realität und Fiktion interessiert mich. Der spielerische Pinselstrich steht in Kontrast zur klassischen Malpalette. Ich durchforste die Welt des schnelllebigen Internets nach neuem Bildmaterial, nehme es in meiner Malerei auseinander und arbeite mich daran ab.» Elena Tamburini ist ganz auf die Malerei konzentriert. Ihr Interesse gilt dem Porträt und der Maskerade. Die von ihr weiterentwickelten Bilder aus dem Internet führen in eine andere Realität, Harmloses wird zu Unheimlichem, Zeitgenössisches scheint in einer früheren Zeit eingefroren. Die Figuren wirken wie durch einen Filter, entblösst oder von einem anderen Ich überdeckt, hinter oder vor der Maske. Tamburini schafft eine eigenständige Bildwelt. Es ist figurative Malerei und doch weit entfernt davon, eine Malerei des Abbildes zu sein. Sie schafft eine starke Atmosphäre und insistiert gleichzeitig in die Präsenz der Malerei als solche. Es ist Malerei, die aus Vorlagen etwas Neues schafft und die weder dem Dargestellten noch der Betrachterin eine Flucht aus dem Bild ermöglicht. Egal, ob sie ein telefonierendes Mädchen oder nur einen Telefonapparat malt, dessen Titel suicide hotline uns souffliert, dass dieses Telefon keine Hilfe bringen wird, denn die Zählscheibe ist leer, der Apparat aus einer anderen Zeit, wohl nicht mehr in Betrieb. Diese Hoffnungslosigkeit scheint immer wieder auf, unterstützt durch Titel, an denen die Künstlerin feilt wie an den Bildern. Nach den Bildern und den Texten sucht die Malerin lange. Auch wenn das Atelier voller ausgedrucktem und gefundenem Bildmaterial ist, ist die Auswahl der Sujets nie zufällig. So fügt sich Bild an Bild zu einer fortlaufenden Erzählung und wie bei einem guten Roman beginnen wir wieder von vorne zu lesen oder wie ein gutes Musikstück drücken wir auf repeat: «Musik ist auch ein wichtiger Bestandteil meiner Malerei und inspiriert mich, ein gutes Lied ist wie ein gutes Bild, es berührt dich und weckt eine Emotion in dir».

Elena Tamburini ist im Grossraum Aarau aufgewachsen, hat in Berlin studiert und 2015 als Meisterschülerin bei Uwe Hand und bei Leiko Ikemura abgeschlossen. Seit die junge Künstlerin wieder in Aarau lebt, arbeitet sie zurückgezogen in ihrem Atelier im Werkstatthaus A7 in Aarau/ Rombach. Elena Tamburini wurde schon verschiedentlich ausgezeichnet, unter anderem 2018 mit einem Werkbeitrag des Aargauer Kuratoriums.

Nach dem öffentlichen Arbeiten im Eck wird Elena die Skizzen im Atelier weiterbearbeiten. Die fertigen Bilder können im Rahmen einer Ausstellung zusammen mit Keramiken von David Trueb vom 21. bis 24. November im Ausstellungsraum A7 in Aarau/ Rombach besichtigt werden.