28.2.2021 - 27.03.2021

Jacqueline Weiss und Kathrin Siebenhaar - Souvenir

Im Ausstellungsraum ECK in Aarau zeigen die Künstlerinnen Arbeiten aus ihrem immensen Archiv aus Camera Obscura-Bildern, die sie für das ECK neuinszenieren. An zwei Tagen verwandeln sie den Raum in eine riesige Camera Obscura und bilden so den Aussenraum im Innern ab. 

  

                                            

Über Jahre hinweg gingen Jacqueline Weiss und Kathrin Siebenhaar mit ihren selbstgebauten Lochkameras auf Reisen und erkundeten mit diesen Landschaften im Spannungsfeld von Stillstand und Bewegung. Es entstanden schlichte Papiernegative in Schwarz-Weiss mit unzähligen Grauwerten. Die Abbildungen zeigen Gletscher, Fels und Meer, Städte, mal still und leer, dann wieder von schemenhaften Menschen bevölkert, surreale Situation zwischen Inszenierung und Normalität.

Aus dieser Zusammenarbeit entstand ein immenses Bildarchiv. Es folgte eine neue Arbeit: durch Reissen, Schichten und Collagieren von Bildfragmenten schufen die Künstlerinnen assoziative Erinnerungswelten. „Diese Kombinationen haben narrativen Charakter und erzählen neue Geschichten. Das Reissen der Papierunikate war eine herzklopfende Angelegenheit, dabei wurde Fehlerhaftes entfernt und spannende Bildelemente wurden neu kombiniert“, sagten die Künstlerinnen über den damaligen Werkprozess, der zu einer  Ausstellungsteilnahme im Gluri Suter Huus in Wettingen führte.

Im ECK folgt jetzt der nächste Akt. Es ist nicht nur der Wiedereinstieg in das gemeinsame künstlerische Schaffen nach vierjähriger Pause, sondern auch die Erzählung, wie Künstlerinnen zusammenarbeiten, wie ihre Biografien mit der Arbeit verknüpft sind und wie sich die Wiederaufnahme des gemeinsamen Prozesses gestalten kann. Das ECK ist als Experimentierraum der richtige Ort für diesen Versuch. Eine Herausforderung auch, da der Raum klein ist. Die Künstlerinnen werden ihre Werke schichten und überlagern anstatt sie in einem grossen Ausstellungsraum an ausladenden Wänden auszubreiten.

Dieser Akt trägt einen allgegenwärtigen Untertitel, jenen der Pandemie, der Ungewissheit. Jacqueline Weiss und Kathrin Siebenhaar planen auf mehreren Ebenen: Sie stellen sich der Herausforderung, mit bestehendem Material einen Raum unter den Augen der Passanten neu zu bespielen und durch die Schichtung der Fotografien eine Raumcollage zu entwickeln. Sie stellen sich aber auch der Ungewissheit, ob die Installation nur von aussen einsehbar sein wird oder ob der Raum für das Publikum im März geöffnet werden darf. Es wird ein Grenzspiel zwischen hervorheben und verschwinden lassen, zwischen sehen und erahnen, zwischen zeigen und verbergen.

Das Duo will «auf Überraschendes gefasst sein, sich auf Zufallsergebnisse einlassen und gegenseitige Vorstellungen abgleichen». Das Publikum, das pandemiebedingt vor allem die Passanten sein werden, wird sich an den geheimnisvollen Schwarz-Weiss-Bildern erfreuen. Welche diskursiven und performativen Formen der Kommunikation im März möglich sein werden, wird sich zeigen. Vielleicht bleibt es bei Gesprächen vor dem grossen Schaufenster? Vielleicht wird es aber auch möglich sein, einzelne Besucherinnen und Besucher in den Ausstellungsort zu führen, an jenen Tagen wo Kathrin Siebenhaar und Jacqueline Weiss den Raum in eine Camera Obscura verwandeln und durch kleine Öffnungen die Aussenwelt als Lichtbild in den Kunstraum fällt.

Die Künstlerinnen betiteln ihre Fotografien mit der Lochkamera als «Protokolle der Langsamkeit». Mit ihrer Zusage, im ECK eine Arbeit zu realisieren, geben sie Einblick in diese Protokolle, sie konfrontieren die Langsamkeit des Entstehungsprozesses mit der kulturellen Stille der Pandemie und zeigen, dass auch in Zeiten des Lockdowns Kommunikation durch Bilder entstehen kann.

Kathrin Siebenhaar (*1971) und Jacqueline Weiss (*1966) arbeiten seit 2007 mit der Camera Obscura. Es entstanden Werke auf Papier, Videoarbeiten, aber auch begehbare Installationen. Seit 2015 ist das oberste Stockwerk des Turms des Stadtmuseums Aarau zu einer ständigen Camera Obscura umgebaut. Acht Linsen werfen bei schönem Wetter die Abbilder der Aarauer Umgebung auf verschiedene Bildträger im Raum und zeigen die Stadt auf dem Kopf.

 

14. März, 11 - 15 Uhr      Liveprojektion, Performance
Anmeldung per SMS unter 079 286 13 74
15. März, 16 -18 Uhr       Liveprojektion, Performance
Anmeldung per SMS unter 079 286 13 74
Für jede Projektion steht ein Slot von 20 min. zur Verfügung 
27. März, 16 - 20 Uhr      Finissage

weitere Präsenzzeiten, Arbeit vor Or:
28. Februar      10-16 Uhr       Aufbau der Raumcollage 
4. März              9 - 11Uhr       Kathrin Siebenhaar
6. März            10 - 15 Uhr      Kathrin Siebenhaar und Jacqueline Weiss
8. März            16 -  20 Uhr     Jacqueline Weiss   
13. März          10-16 Uhr        Vorbereitung Camera Obscura und Liveprojektion     
18. März            9 - 11 Uhr      Kathrin Siebenhaar
20. März          10 - 17 Uhr      Jacqueline Weiss und Kathrin Siebenhaar
22. März          16 - 19 Uhr      Jacqueline Weiss
25. März            9 - 11 Uhr      Kathrin Siebenhaar

Besucher*innen sind eingeladen, die Camera Obscura im Stadtmuseum Aarau zu besichtigen (reduzierter Eintritt nur Camera Obscura: Fr. 5.-)

 

 

 

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