19.7.2019 - 06.09.2019

Philipp Hänger, Flesh Palace

Der Projektraum Eck in Aarau wird zum Hors-Sol-Garten. Als Labor inszeniert, mit Licht, Fotografien, Skulpturen und Fundgegenständen ergänzt, setzt Philipp Hänger einen Kontrast und mit dem Titel Flesh Palace einen Bezug zur ehemaligen Metzgerei Speck. In diesem Garten wird nicht frohe Gemütlichkeit zelebriert, sondern dem Menschen und seiner Unersättlichkeit nachgespürt.

 

19. Juli Vernissage
26. Juli Probiotisches mit Stephanie Amstutz
2. August Mit Speck fängt man Mäuse; mit Marc Hartmann
9. August Worte am Frigo mit Jonas Egli
16. August Treffen im Grünen 
23. August nz-nz-nz- elektronische Musik für Pflanzen mit FlipFloater www.FlipFloater.net
30. August Treffen im Grünen: Netflix und Popcorn mit Roger Wirz 
6. September Finissage: Am Ende wird geerntet 

 

Öffnungszeiten: Immer freitags von 21 bis 23 Uhr

 

Das Eck in Aarau lädt immer wieder Künstler*innen ein, sich auf neue Weise der Öffentlichkeit zu zeigen. Es geht dabei darum, die Kunstschaffenden und ihren jeweils eigenen Kosmos näher kennen zu lernen und auch direkt mit ihnen in Kontakt zu treten. Philipp Hänger nimmt den Garten als Ort der Gemütlichkeit und der sozialen Kontakte und konterkariert den heimischen Grillabend mit dem Treffen am Hors-Sol-Garten, im Scheine des violetten LED-Lichtes zu nächtlicher Stunde. Flesh Palace wird zum Treffpunkt, der Garten dient als mögliche Nahrungsgrundlage für die Anlässe, die freitags immer zwischen 21 und 23 Uhr stattfinden. Dass das Licht zwischen den am grossen Schaufenster montierten Plakaten rund um die Uhr rosarot auf die Fussgängerzone hinausleuchtet, scheint auch eine Anspielung auf das „Milieu“ zu sein. Der menschliche Körper als Konsumobjekt, der Fleischkonsum und das künstlich gezogene Gemüse werden parallel assoziiert und halten sich in der Schwebe. Diese wird durch die Präsenz des Künstlers, der seine Installation vor Ort mit Bild- und Textmaterial auch mit Hilfe der Besucher*innen weiterentwickelt oder die Pflanzen mit elektronischer Musik beschallt, mal in die eine oder andere Richtung kippen.

Philipp Hänger lädt ein ins Eck zu spätabendlichen Treffen im Grünen, zu einem probiotischen Experiment in Kollaboration mit der Künstlerin Stephanie Amstutz, zu Worten am Frigo mit Jonas Egli oder zu geräuchertem Gemüse aus der Küche des Duos Hänger/Hartmann. Er macht scheinbar voll auf gemütlich und Eigenproduktion, ganz im Wissen darum, dass er mit seinen Bildkomplexen Verwirrung stiftet und einem bei der Geselligkeit im Grün-Violetten leicht der Kefir im Halse stecken bleiben könnte.

Der in Aarau lebende Künstler Philipp Hänger (*Basel 1982) machte sich in den letzten Jahren einen Namen als unzimperlicher Fragesteller zu gesellschaftlichen Themen mit unterschiedlichsten Mitteln der Kunst. Mit seinen Ausstellungsteilnahmen in der Kunsthalle Vebikus Schaffhausen oder im Rahmen der Regionale in der Kunsthalle Basel oder mit seinem Raum *Dream of Ice* an der Auswahl18 im Aargauer Kunsthaus konnte er sein grosses Bild- und Materialarchiv vielschichtig inszenieren. Er legte Bild- und Textfährten (diese stammen immer von Jonas Egli, der in den meisten Installationen von Philipp Hänger präsent ist) und freut sich über sich darin verirrende Besucher*innen. 2016 stellte er drei Betonskulpturen - ausgegossene, stehende Schlafsäcke - als monumentale, aber auch sich scheinbar selbst belächelnde Monolithen in das Aargauer Kunsthaus und überraschte mit dieser bildhauerisch anmutenden Setzung.

Philipp Hänger wiederholt sich kaum, doch sind nebst dem Fokus auf Gesellschaft und Konsum doch ihm eigene Strategien erkennbar. Der Autor Jonas Egli, der den 2018 erschienenen Primeur von Philipp Hänger (Erstpublikation, ermöglicht durch das Aargauer Kuratorium) mit seinen Texten begleitete, sagt es so: „Philipp Hänger de- und rekontextualisiert Dinge. Er formt sie um, zweckentfremdet sie und macht sie zum Objekt seiner Experimente. Oft finden sich die Dinge danach in einer dualistischen Situation wieder: Was innen war, ist nun aussen, oben was unten, nun Kunst was Alltagsding oder Fundgegenstand war, meist in einer Position zwischen den Gegensätzen verharrend. Der Schwebezustand wird auf der medialen und/oder auch auf der Produktionsebene erzeugt...“

Philipp Hänger realisiert immer wieder Arbeiten im Duo mit Marc Hartmann. Zum Beispiel 2016, als sie unter dem Titel „Peng“ nicht nur ein interdisziplinäres Farben-Künstler-Shooting veranstalteten, sondern gleichzeitig den Festsaal des Kunsthauses Zofingen in ein ausgeklügeltes begehbares Labyrinth à la Stanley Kubrick verwandelten. Philipp Hänger lädt Marc Hartmann ins Eck ein: Mit Speck fängt man Mäuse heisst der gemeinsam konzipierte Abend. Lassen wir uns überraschen und erinnern wir uns an Hänger/Hartmann mit Hot Dogs oder Hamburger im Aargauer Kunsthaus 2017 und 2015.

 

Der Künstler wird für diese Ausstellung von der Hans und Lina Blattner Stiftung unterstützt.